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Von 16 auf null: ein Stockwerk pro Woche

17.07.2019

Da das alte, 60 Meter hohe Bettenhaus des Spitals Limmattal nur acht Meter vom Neubau entfernt steht, wird dieses im Wochentakt Stockwerk für Stockwerk abgetragen. 

 

Rund 50 Jahre nach dem Spatenstich für das alte Spital Limmattal in Schlieren erfolgte am 6. Mai 2015 die Grundsteinlegung für den Neubau des Akutspitals.

Um die veraltete Gebäude- und Raumstruktur zu ersetzen, startete die Eberhard Bau AG im Auftrag des Totalunternehmers Losinger Marazzi am 2. März 2015 mit den Rück- und Tiefbauarbeiten der ersten Etappe. Bis im August 2015 mussten 30'000 m3 umbauter Raum rückgebaut und 90'000 Festkubikmeter Aushub bewältigt werden.

Nach der Inbetriebnahme des neuen Spitals am 23. Oktober 2018 nahm die Eberhard Bau AG Mitte Februar 2019 den Rückbau des 16-stöckigen Bettenhauses in Angriff. Das Gebäude ist rund 60 Meter hoch und ergibt zusammen mit dem vier Stockwerke hohen Sockelbau ein Rückbauvolumen von rund 110’000 m3 umbautem Raum.

Für das Rückbaukonzept wurden verschiedene Optionen diskutiert. Extern wären zwar genügend grosse Hydraulikbagger mit Abbruchausrüstungen und einer Arbeitshöhe von 55 oder mehr Metern verfügbar gewesen. Infolge der nur acht Meter Distanz zum Neubau und der vorgehängten Balkone und Fassadenelemente musste diese Rückbaumethode jedoch verworfen werden. Die Ausführung der Rückbauarbeiten erfolgt nun mit der sogenannten Top-Down-Methode. Das heisst, das Bettenhaus wird Stockwerk für Stockwerk von oben abgetragen.

Gemäss dem Rückbaukonzept der Eberhard Unternehmungen wurden die Gebäude nach der Schadstoffsanierung zuerst für den maschinellen Rückbau in den Rohbauzustand zurückversetzt. Dies umfasste neben dem Entfernen sämtlicher nicht mineralischer Bauteile wie Fenster, Türen, Einbauschränke, Bodenbeläge und Isolationen auch den Rückbau von nicht tragenden Backstein- und Gipswänden sowie Unterlagsböden.

Mit bis zu drei 50-Tonnen-Baggern erfolgte im Frühjahr der Rückbau des nördlichen Sockelbaus bis an die Fassade des Hochhauses. Dieser erste Arbeitsschritt schaffte einerseits den nötigen Platz für den Umschlag der Rückbaumaterialien und andererseits konnte der Mobilkran für die Montage des Hochbaukrans genügend nahe an das Gebäude fahren. Für die herausfordernde Baustellenlogistik steht seit dem 10. Mai im ehemaligen Innenhof des Sockelbaus ein Hochbaukran mit einer maximalen Traglast von 12 Tonnen zur Verfügung.

Nach dem Abbau der Dachaufbauten mit einem Abbruchroboter startete der eigentliche Rückbau im 15. Stock mit einem Caterpillar 314E L CR Midibagger und einem 1600 Kilogramm schweren Betonbeisser. Um die gesamthaft 19 Tonnen Gewicht des Baggers besser zu verteilen, arbeitet dieser auf Baggermatratzen. Zusätzlich werden jeweils die vier darunterliegenden Geschosse mit je 206 Spriesswinden unterbaut. Eine Crew ist fortlaufend damit beschäftigt, die Spriesswinden im rückzubauenden Stockwerk zu demontieren, mit dem Fassadenlift nach unten zu transportieren und vier Geschosse tiefer wieder zu montieren.

 

Zwei Minibagger mit Abbauhämmern und Betonbeissern unterstützen den «grossen» Bagger beim Rückbau der Stockwerke. Ist das Geschoss abgeräumt, zügelt der Hochbaukran die ganzen Gerätschaften über eine Bodenöffnung ins darunterliegende Stockwerk. Minibagger und Kompaktlader sind kein Problem, der Midibagger jedoch übersteigt die Traglast des Krans. Deshalb muss der Baumaschinenführer jeweils das Gegengewicht und einen Teil des Auslegers seines Baggers demontieren. Das Umstellen des «grossen» Baggers dauert jeweils einen knappen halben Tag.

Um den Baustoffkreislauf zu schliessen und die Unmengen an Bauschutt besser zu rezyklieren, separieren zwei Kompaktlader und die drei Bagger den entstehenden Bauschutt vor Ort in Misch- und Betonabbruch. Für den Abtransport werden einerseits die beiden Lifte als Abwurfschächte benutzt und andererseits wird der Bauschutt mit sieben m3 fassenden Mulden und dem Hochbaukran nach unten transportiert. In einem endlosen Rundkurs karrt ein Kompaktlader das Rückbaumaterial vom Liftschacht zum Zwischendepot. Anschliessend transportieren Lastwagen den Betonschutt und den Mischabbruch ins BaustoffRecyclingZentrum «Ebirec» in Rümlang. Dort wird das Material separat gekippt, gebrochen, gesiebt, von Fremdstoffen befreit und nach Komponenten in Silos eingelagert. Die so gewonnenen Sekundärbaustoffe gelangen als erstklassiger Recyclingbeton C oder als Recyclingkiesgemisch in ungebundener Form wieder auf die Baustellen zurück und schliessen damit den Baustoffkreislauf. Seit der Eröffnung des BaustoffRecyclingZentrums vor 20 Jahren, im April 1999, verarbeiteten die Recycler in Rümlang die gewaltige Menge von 7'500'000 Tonnen Material. Das entspricht in etwa der Ladung eines Güterzugs, der von Zürich bis nach Göteborg in Schweden reicht!   
 

Anfang Juli arbeitete die Rückbau-Crew im elften Obergeschoss. Kann der Wochentakt eingehalten werden, sollten der Midibagger und die Kleingeräte in der ersten Septemberwoche das dritte Stockwerk erreicht haben. Sobald der Hochbaukran demontiert ist, übernehmen ein oder zwei 100-Tonnen-Bagger den Rückbau der restlichen Stockwerke des Sockelbaus und der beiden Untergeschosse. Der zuständige Bauführer rechnet mit dem Abschluss der Rückbauarbeiten im Oktober 2019. Dann wird vom 1970 errichteten Wahrzeichen der Region Schlieren nichts mehr zu sehen sein. An die Stelle des alten Hochhauses tritt das Neubauprojekt «LimmiCura»: Das neue Pflegezentrum ist dem Akutspital direkt angeschlossen und soll im Frühjahr 2023 eröffnet werden.

Von 16 auf null: ein Stockwerk pro Woche